Ich finde man muss dazu vielleicht zwei verschiedene Ebenen betrachten.
Ebene 1: Wenn ich bei jemandem, der kein Aikidoka ist, einen irimi nage erfolgreich durchziehe, dann hat der hinterher mindestens eine Gehirnerschütterung, wenn nicht Schlimmeres. Bei Hebeltechniken kann es (
muss es aber meiner Meinung nach nicht) ebenfalls zu Verletzungen kommen. Je nach Verhalten des Angreifers. Allerdings war es immer so, dass ich, wenn ich mal richtig hoch gradiuierte Leute angreifen durfte, mich absolut sicher gefühlt habe, die waza waren immer so sauber, dass es einfach keine Möglichkeit gab, sich zu verletzen. Das scheint nicht bei allen der Fall zu sein (siehe der Thread bei Aikiweb über Arikawa). Außerdem kann ich ja (zumindest leidlich) fallen. Ein Nicht-Aikidoka kann das nicht und das Ganze würde wohl mit Verletzungen enden. Aber das alles ist die rein technische, körperliche Seite.
Ebene 2: Die Philosophie dahinter. Die ist für mich ohne Zweifel gewaltlos. Auch wenn die waza auf Schwerttechniken beruhen (die wir nie so üben, dass wir 5cm vor dem Ziel das Schwert anhalten) die letztendlich darauf abzielen, tödlich zu sein. Letzteres gehört für mich teilweise dann eher in die technische Ecke. Andererseits gibt es eben auch den Ausdruck
satsujinken katsujinken (dt. das Schwert, das tötet, ist das Schwert, das Leben gibt). Wie genau ich diesen Widerspruch (gewaltloses Aikido vs tödlicher Schwertkapmf) zusammen kriege, weiß ich noch nicht so genau

Aber ich arbeite daran... Auf jeden Fall finde ich, dass man immer dahinter schauen muss, um die Dinge richtig zu verstehen. Und die häufig diskutierte Effektivität des Aikido steht für mich eben nicht unbedingt im Widerspruch zur Gewaltlosigkeit.
Es ist doch so: Nur jemand der sich mit Gewalt richtig auskennt, kann auch wirkliche Gewaltlosigkeit praktizieren (das sehe ich wirklich so). O-Sensei´s Vergangenheit vor Aikido wird ja häufig in diesem Zusammenhang diskutiert und es wird ihm vorgeworfen, u.U. ein rücksichtsloser, brutaler Faschist gewesen zu sein (bitte nicht hauen - ist nicht meine Meinung, ich zitiere nur). Ich glaube, dass O-Sensei genau deshalb diese geniale gewaltlose Kunst schaffen konnte, weil er das Gegenteil auch kannte.
Zitat:
einen konflikt mit dem schwert austragen heisst, dass man im entscheidenden augenblick anhalten kann, damit der partner aus seinen fehlern lernen kann. wenn es um das umbringen gehen würde, könnten wir scharfe schwerter benutzen, oder schiesswaffen.
Also, auch wenn man sich als Aikidoka nicht einbilden sollte, dass man mit dem Schwert gegen jemanden auch nur eine leise Chance hätte, der tatsächlich Schwertkunst gelernt hat, so gründen sich die Schwerttechniken doch auf Techniken, die tatsächlich im Kampf eingesetzt wurden - oder irre ich mich da? Da wurde ja auch nicht nur belehrt, sondern es ging richtig zur Sache und um Leben und Tod. Mir wurde auch von verschiedenen Seiten immer wieder eingebläut, mit dem bokken so zu arbeiten, als wäre es eben scharf und eine tödliche Waffe. Und die Schläge hören nicht 5cm vor dem Ziel auf. Das wäre ja wie ein Angriff bei taiwaza der nur halbherzig kommt. Ich bin aber sicher kein Experte was das Schwert angeht und lasse mich da gerne belehren.